Ausgabe Mai 1990

Eine Kultur des Widerstands

I

Ulrike: Die vierzig Jahre sind natürlich an den Menschen in der DDR nicht spurlos vorübergegangen. Die Menschen sind dadurch geprägt. Durch die spezifischen Erfahrungen mit einer Kommandowirtschaft, mit einem autoritären Regime, mit einer Bürokratie, mit einem Staatssicherheitsapparat, der bis in alle Bereiche der Gesellschaft hinein regiert hat und eine Atmosphäre der Angst und der Verunsicherung, des Mißtrauens, erzeugt hat. Und diese Erfahrungen sind, glaube ich, das, was die DDR-Bürger mit einbringen, auch in das neue Deutschland. Diese Erfahrungen könnten, wenn man das positiv werten möchte, auch ein Fundament sein, um künftig ähnliche Entwicklungen zu verhindern. Vorausgesetzt, wir haben die Fähigkeit, diese Erfahrung aufzuarbeiten, zu analysieren, uns der Vergangenheit zu stellen, herauszufinden, wie war es möglich, um Ansätze einer Wiederholung solcher Strukturen im Keim zu verhindern.

Gerd: Das überraschende Resultat der DDR ist für mich, daß es einem total erniedrigten Volk gelungen ist, wenn auch nicht ganz allein, diese Strukturen von innen heraus zu verändern. Das Ergebnis ist nun allerdings die Abschaffung der DDR, was nicht den Intentionen der Opposition entspricht. Es ist das Resultat von verschiedenen Ereignissen.

Mai 1990

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Micha Brumlik: Ein furchtloser Streiter für die Aufklärung

von Meron Mendel

Als die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel überfiel und anschließend der Krieg der Netanjahu-Regierung in Gaza begann, fragten mich viele nach der Position eines Mannes – nach der Micha Brumliks. Doch zu diesem Zeitpunkt war Micha bereits schwer krank. Am 10. November ist er in Berlin gestorben.