Ausgabe November 1990

Offener Brief an die alten Männer

Ist der Zug angekommen? Laut Fahrplan schon. Seit dem 3. Oktober sind wir ein Volk. Doch existiert bisher lediglich ein fahles Hinweisschild mit den frischen Lettern: Deutschland. Ansonsten wirkt das erst jüngst hinter uns gelassene Provisorium wesentlich solider, als die Großbaustelle, auf der wir uns nun befinden. Dieses wesentlich provisorischere Neu-Deutschland läßt die folgenden Gedanken nicht veraltet erscheinen. In einem Moment, wo sich Geschichtslosigkeit auszubreiten droht, weigern sich die Autoren, sich auf der Baustelle einzurichten. Wir kommen in dieser historischen Stunde mit unserem Aufsatz zu spät; er reflektiert die Reiseerfahrungen unmittelbar vor der Zielankunft. Als Reisebericht der unter Dreißigjährigen versucht er...

... die Sprachlosigkeit zu überwinden

Die Generation der Väter und Großväter sieht sich vor der Realisierung ihres Traumes, der schon ausgeträumt schien. Die deutsche Einheit. Mit im Zug sitzen wir, zwei Bundesdeutsche, Jahrgang 1962/63, die ungefragt mitzufahren das Vergnügen haben. Wir wollen die Gelegenheit nutzen, unsere Gedanken zu dieser Zwangsfahrt mitzuteilen. Wir glauben, durchaus repräsentativ zu sein; wir wissen, daß wir die Zukunft sein werden, weil alte Männer nun mal wenig Zukunft haben 1).

Träume

Der Traum alter Männer war nicht unser Traum.

November 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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