Ausgabe Januar 1991

Bürgerbewegungen und parlamentarisches Netzwerk

Begossene Pudel sind wir! Ich habe vor der Wahl eine öffentliche Ergebnisvorhersage riskiert. Vorsichtshalber nur für das DDR-Gebiet. Ich schrieb rund 45% CDU/CSU, 25% SPD, 10% FDP, 10% Grün und Konsorten sowie einen Rest bei 10% für die PDS. Da lag ich also nicht schlecht, und das ist ja auch kein Wunder, da wir das Ergebnis der Landtagswahlen kannten. Einen absoluten Kinnhaken erwischte ich dagegen bei meinen Vorhersagen für den Westen, Gott sei Dank nicht öffentlich, im Sparring sozusagen. Hier hatten wir zwar alle den Sieg des Kanzlers für Deutschland vorausgesehen und die Niederlage der SPD - Kunststück bei dem Trommelfeuer von Befragungen der Bevölkerung!

Was aber völlig unerwartet war: das Debakel der Linken in Berlin, und der Durchfall der Grünen im Bundesgebiet. Die erwartete Niederlage von Oskar Lafontaine macht die Rechnung komplett. Wir alle sogenannten Linken stehen jetzt wie der Pudel da, dem ein kräftiger Wasserguß auf das Fell geschüttet wurde. Was ist zu tun? Ich gehöre zu denen, die in so einer Situation nicht aus der Hüfte schießen können. Drei Tage danach kann man keine fundierten Lehren aus der Niederlage parat haben, es sei denn, man fühlt sich bestätigt und braucht nur zu wiederholen, was man ohnedies schon gedacht hatte.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

Führungsfetisch statt Bürgernähe

von Markus Linden

Der rasende Autoritäts- und Machtverlust, den die Union und der Bundeskanzler binnen nicht einmal zwei Jahren an der Regierung erlitten haben, erklärt sich nicht zuletzt durch Friedrich Merz’ Führungsstil. Merz setzt ganz auf cäsaristische Anweisung von oben.