Ausgabe Januar 1991

Was für den Sozialismus spricht.

Eine unzeitgemäße Betrachtung

I

Dieser Artikel plädiert für ein Ziel, das im Augenblick der Niederschrift ähnlich populär zu sein scheint wie Badeferien auf Grönland: für den Sozialismus. Ein solches Plädoyer wird gewiß abseitig und verschroben wirken in einer Zeit, in der Ludwig Ehrhard über Karl Marx zu triumphieren scheint, in der die Nationen Osteuropas in Serie die zentral gelenkte Planwirtschaft zu Grabe tragen und der Segnungen des westlichen Marktwirtschaftswunders teilhaftig zu werden hoffen. Was kann es anderes bieten als die larmoyante Nörgelei eines ewig Gestrigen? Gemach! Zwar ist sich der Autor seines problematischen Ausgangspunktes durchaus bewußt. Er wagt aber einzuwenden:

1. Es war schon immer falsch - wenngleich natürlich recht bequem - die Marxsche Theorie mit Sozialismus schlechthin zu identifizieren. Es ist zwar wahr, daß bislang nur diese Spielart der sozialistischen Auffassung für einen mehr als episodischen Zeitraum in einigen Ländern hat Regierungsverantwortung übernehmen können - aber diese "Kraft des Faktischen" (sie ist eben nicht normativ!) widerlegt andere Sozialismus-Varianten ebenso wenig wie die habgierigen Renaissance-Päpste die christliche Soziallehre "widerlegen".

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Politik als Gewinnspiel: Wetten auf Krieg und Frieden

von Sonja Peteranderl

Über Monate hinweg beobachteten US-Geheimdienste jede Bewegung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Am 3. Januar gab US-Präsident Donald Trump schließlich grünes Licht für die »Operation Absolute Resolve«.

Blackout: Die imperiale Lebensweise lässt sich nicht »abschalten«

von Ulrich Brand, Markus Wissen

Fünf lange Tage waren zehntausende Haushalte und mehr als 2000 Unternehmen bei eisigen Temperaturen im Berliner Südwesten Anfang Januar ohne Strom und ohne Heizung. Ausgelöst wurde der Stromausfall durch einen Brandanschlag auf eine wichtige, oberirdisch verlaufende Kabelbrücke des Berliner Stromnetzes.