Ausgabe Januar 1991

Nachholende oder doppelte Modernisierung?

Der zentralistisch-administrative Sozialismus ist gescheitert. Die bürgerliche Gesellschaft hat sich in den entwickelten Industriestaaten gerade im Lichte dieses weltgeschichtsverändernden Niedergangsprozesses als die einzig moderne, innovationsfähige und offene Gesellschaft der Gegenwart erwiesen. Die Art und Weise des deutschen Vereinigungsprozesses steht exemplarisch für die Haltung, daß der im Westen glücklich erreichte Endzustand nur noch auf den Osten auszudehnen sei.

In der Tat ist die "nachholende Revolution", wie Jürgen Habermas die Umwälzung in der DDR seit dem Oktober 1989 nannte, eine große Chance: Der DDR sind von allen Ländern des Ostens die größten Möglichkeiten geboten, ohne jeden Aufschub die Modernitätsqualitäten der Bundesrepublik nachzuentwickeln, vor allem eine pluralistische Demokratie, bürgerliche Rechtsstaatlichkeit und marktwirtschaftliche Innovationsoffenheit. Und doch sei hier als 1. T h e s e postuliert: Es wäre verhängnisvoll, den Niedergang des zentralistisch-administrativen Sozialismus als Bestätigung dafür anzusehen, daß den modernen bürgerlichen Gesellschaften keine epochalen Wandlungen ihrer Werte, Regulationsmechanismen und Lebensweisen bevorstehen, daß sie so, wie sie heute beschaffen sind, Überlebensfähigkeit und das lebenswerte Zukunftsmodell für die ganze Menschheit verkörpern.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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