Ausgabe August 1992

Die Kluft zwischen arm und reich

Wirtschaftliches Wachstum, definiert als Zunahme der Produktion von Gütern und Leistungen, gilt als wichtigstes Mittel zur Erhöhung des Wohlstands.

Trotz der zunehmenden Problematisierung des Wortes und seinem Ersatz durch Begriffe wie "nachhaltige Entwicklung" (sustainable development) wird Wachstum als Voraussetzung zur Lösung aller Probleme betrachtet: Der Münchner Wirtschaftsgipfel der G7 erbrachte als Hauptergebnis die Verkündung einer "starken Wirtschaftsbotschaft". Vor allem wird behauptet, daß notwendige Strukturveränderungen in einer wachsenden Ökonomie besser zu bewerkstelligen seien als bei Stagnation (vgl. z.B. das Gutachten des Sachverständigenrats 1989/90). Dem entgegen ist festzustellen, daß eines der wichtigsten Strukturungleichgewichte in der Welt, nämlich die krassen Einkommensunterschiede, sich im Zuge des raschen Wachstums der letzten 30 Jahre (historisch die dynamischste Wachstumsperiode in der menschlichen Geschichte) auf dramatische Weise vergrößert haben. Die im "Human Development Report" der Vereinten Nationen (Programm der UN für die Entwicklung = UNDP) von 1992 präsentierten Zahlen belegen dies eindrucksvoll.

August 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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