Ausgabe Januar 1993

Zwischen Globalisierung und Fragmentierung

Ein Beitrag zur Weltordnungsdebatte

Die Welt als Schicksalsgemeinschaft

Während der vergangenen fünfzehn Jahre ist das Bewußtsein in der Welt darüber gewachsen, daß die Menschheit in manchen Dimensionen ihrer Existenz zu einer globalen Schicksalsgemeinschaft geworden ist.

Noch ist der Begriff "Weltrisikogesellschaft" (Zürn) nicht gebräuchlich, aber die mit ihm zu assoziierenden Sachverhalte gehören inzwischen zur Agenda jeder seriösen Diskussion über internationale Politik. Dabei stand bis vor kurzem angesichts des anhaltenden weltpolitischen Antagonismus und der Rüstungskonkurrenz zwischen Ost und West die Gefahr eines in seinen Auswirkungen räumlich nicht begrenzbaren Nuklearkrieges im Vordergrund.

Wenngleich heute nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes die Abwesenheit solcher Gefahr wie eine Selbstverständlichkeit registriert und kaum noch kommentiert wird, kann es doch keinen Zweifel darüber geben, daß, ungeachtet der Wahrscheinlichkeit im einzelnen, die Gefahr eines Nuklearkrieges zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit die Welt insgesamt als eine g l o b a l e Schicksalsgemeinschaft erfahrbar machte. Nicht anders ist es mit der offensichtlich exponentiell wachsenden weltweiten Ökologieproblematik.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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