Ausgabe März 1993

Referendum Doppelte Staatsbürgerschaft

Dem Haß keine Chance - 1 Million Stimmen für doppelte Staatsbürgerschaft

Kaum ein Land ist bei der Vergabe seiner Staatsbürgerschaft so streng wie Deutschland. Immer noch entscheidet laut Artikel 116 des Grundgesetzes die deutsche Abstammung über die Staatsangehörigkeit. Statt dessen sollten alle, die ihren Lebensmittelpunkt in unserem Land gefunden haben oder hier geboren sind, unbürokratisch deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger werden können. Gleiche Rechte und Pflichten für alle fördern Integration und gesellschaftlichen Frieden. Angesichts der Angriffe auf Ausländerinnen und Ausländer setze ich mich dafür ein, das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht von 1913 neu zu regeln und das Grundgesetz entsprechend zu gestalten.

Ich stimme dafür, die Einbürgerung zu erleichtern und die doppelte Staatsbürgerschaft zu ermöglichen

Laut Einigungsvertrag wird zur Zeit das Grundgesetz überarbeitet. Sobald 1 000 000 Stimmen zusammengekommen sind, werden sie der Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth übergeben, um eine entsprechende Änderung der verfassungsrechtlichen Bestimmungen zur Staatsbürgerschaft zu erreichen.

Erststimmen: Dr. Franz Alt, Rudolf Bahro, Ratner Basedow, Gustl Bayrhammer, Jurek Becker, Senta Berger, Ignatz Bubis, Martin Buchholz, Dany Cohn-Bendit, Katja Ebstein, Harriet Eder, Prof. Dr. Iring Fetscher, Joschka Fischer, Prof. Dr. Ossip K. Flechtheim, Altbischof Gottfried Forck, Hans-Joachim Friedrichs, Günter Gaus, Götz George, Prof. Dr. Jürgen Habermas, Prof. Dr. Hakki Keskin, Freya Klier, Manfred Krug, Renate Künast, Ismail Hakki Kosan, Klaus Lage, Matthias Langhoff, Siegfried Lenz, Herbert Leuninger, Wolf Maahn, Bahman Nirumand, Deniz Olcayto, Marianne Rosenberg, Lea Rosh, Udo Samel, Renate Schmidt, Waltraud Schoppe, Prof. Dr. Faruk Sen, Prof. Dr. Dorothee Sölle, Michael Sontheimer, Prof. Dr. Steffensky, Wolfgang Thierse, Jürgen Trittin, Henning Venske, Dr. Michael Verhoeven, Dr. Klaus Wagenbach, Günter Wallraff, Konrad Weiß, Dieter Wunder.

Zustimmungserklärungen an: Referendum Doppelte Staatsbürgerschaft, Oranienstraße 25, 1000 Berlin 36.

Spendenkonto: Konto-Nr. 640 025 250, Sparkasse Berlin (BLZ 100 500 00).

 

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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