Sonntagnachmittag. Aufbruch der paramilitärischen Kampfgruppen der Parlamentsseite vom Weißen Haus zum Fernsehzentrum Ostankino. "Doch die Hauptmasse der Sturmtruppler klettert eilig in Busse und von der Miliz beutete, Neugierigen erklären sie, daß Ruzkoj befohlen hat, rasch das Fernsehzentrum zu nehmen, da man dem Volk umgehend ein wahres Wort sagen müsse. Ein geschlagener Sonderpolizist, der aber das Gefühl für Humor nicht verloren hat, fährt mich für ein ganz bescheidenes Entgelt dorthin." Montagmorgen. Vorgehen der präsidententreuen Truppen auf das Weiße Haus. "Die Soldaten beginnen nervös, die oberen Etagen der umstehenden Häuser über die Läufe ihrer Maschinenpistolen abzusuchen, bereit, bei der kleinsten Bewegung zu schießen. Da rührt sich etwas in den oberen Etagen des Neubaus der amerikanischen Botschaft! Sofort eröffnen einige Krieger das Feuer. Wir schreien dem Leutnant durch das Geknatter zu: 'Das ist die amerikanische Botschaft, nicht schießen! Nicht schießen!' (...) Der Leutnant befiehlt, das Feuer einzustellen, und flucht lästerlich. Erneut eine Bewegung am Glockenturm links von uns. Und schon ergießt sich ein Kugelregen über den Glockenturm. Aus irgendeinem Haus springt ein Fallschirmjägeroffizier und schreit: 'Nicht schießen! Da sitzt unser MG-Schütze, nicht schießen!' Das Feuer erstirbt.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.