Ausgabe März 1994

Der Rover-Deal von BMW

Im Juli 1993 verkündete Bernd Pischetsrieder, der neue Vorstandsvorsitzende der BMW AG, auf einer Pressekonferenz seines Unternehmens, "daß wir Wachstum nicht als Unternehmensziel definieren. Unser Ziel ist es, mit 500 000 Autos Geld zu verdienen." Bereits ein halbes Jahr später ist diese Zielbestimmung, so sie denn ernst gemeint war, zu den Akten gelegt: Anfang Februar gab das Münchner Unternehmen (1992 31 Mrd. DM Umsatz mit knapp 600 000 Pkw und 35 000 Motorrädern sowie weltweit 73 800 Beschäftigten) bekannt, man werde für 800 Mio. britische Pfund (rund 2 Mrd. DM) die britische Rover Group von der British Aerospace übernehmen. Mit dieser Übernahme wird der bislang auf Autos der Oberklasse spezialisierte Nischenproduzent auf einen Schlag zum Komplettanbieter und steigt zum siebtgrößten Autohersteller Europas auf.

Es ist das bislang größte Investment der BMW-Firmengeschichte, durch das der Luxusproduzent fortan fast doppelt so viele Autos verkaufen wird wie zuvor - und wie der Stuttgarter Rivale Mercedes (vgl. Tabelle). Die Finanzierung des Milliardengeschäfts, bei dem BMW zudem Verbindlichkeiten der Rover-Gruppe von rd. 900 Mio. Pfund übernimmt, ist für das Unternehmen unproblematisch: Die Münchner sind von allen deutschen Autoherstellern am besten durch die Krise gefahren und verfügen über liquide Mittel von 4 Mrd. DM.

März 1994

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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