Der ethnische Konflikt zwischen der kurdischen Volksgruppe und dem türkischen Staat, die Gewalttaten gegen türkische Einrichtungen und Geschäfte in Deutschland, die blutigen Auseinandersetzungen in Istanbul nach Mordanschlägen auf Angehörige der religiösen Minderheit der Aleviten und nicht zuletzt die Militäraktion im Nordirak führen dazu, daß die Türkei gegenwärtig nahezu täglich in den bundesdeutschen Schlagzeilen erscheint. Es ist (nicht nur) für Außenstehende schwierig, angesichts der Vielfalt der Probleme und Konfliktebenen die Nachrichten ohne Klischees und Vorurteile zu verarbeiten. Eine Folge der Unübersichtlichkeit und der Überforderung vieler bundesdeutscher Nachrichtenkonsumenten ist, daß hier lebende Menschen aus der Türkei über einen zunehmenden Verlust an Ansehen klagen. Nicht nur die kleine Minderheit von Gewalttätern kurdischer und türkischer Volkszugehörigkeit gerät in Verruf, sondern alle aus der Türkei stammenden Menschen, die in ihrer Gesamtheit als zerstritten und potentiell gewalttätig angesehen werden. Zu solchen Pauschalierungen, die Menschen letztlich isolieren und ausgrenzen, tragen nicht nur hämische Äußerungen von bundesdeutschen Arbeitskollegen bei - wenn etwa behauptet wird, es sei eine Schweinerei, wie "die Türken" mit "den Kurden" umgehen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.