Ausgabe Januar 1996

Danke Amerika!

Dayton und die Deutschen

Daß unter den Menschen in Bosnien, aber auch in dem deutscherseits in anzüglicher Sprachtradition "Restjugoslawien" titulierten Land die Freude groß sein würde, war vorhersehbar. Eine vielleicht nüchternere, aber ebenso von Erleichterung über das Ende des Schießens getragene Freude durfte man auch für die Bundesrepublik erwarten, hatten doch die Reportagen und Berichte, hatten blutige Bilder aus dem bosnisch-herzegowinischen Jugoslawien en miniature in den vergangenen Jahren einen zentralen Medien-Platz besessen und Verzweiflung, ohnmächtige Wut, auch Versuche der Hilfe ausgelöst. Nur, wer auf Freude hierzulande gewartet hatte, sah sich getäuscht. Statt allgemeiner Erleichterung dominiert eine seltsame Art der Verbitterung. Und die macht vor politischen Lagergrenzen nicht halt. Rechts und Links mißtrauen dem Kriegsende in Bosnien mehr oder weniger offen und üben sich in Rechthaberei, die vielfach an Schlichtheit kaum zu überbieten ist. Und der zumeist der Exekutive geistig verbundene Polit-Mainstream macht sich normalerweise gar nicht erst die Mühe, Eifersucht, Neid und Mißgunst zu verbergen. Was ist passiert? Passiert ist D a y t o n: Schluß mit dem Krieg in Bosnien.

Folgt man dem Kritikerpool, dann gilt der Mißmut einem falschen, weil ganz und gar "ungerechten" Friedensabkommen.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.