Ausgabe Januar 1996

Grünanlagen

Jedes Jahr strömen in den USA über eine halbe Billion US-Dollar in mehr oder weniger "ethische" Geldanlagen. Derweil tröpfelt in der Bundesrepublik ein moralines Ethik-Rinnsal weitgehend unbeachtet vor sich hin. Die Idee für ethisches Investment stammt wohl aus Nordamerika: 1968 demonstrierten Aktionäre des Multis Dow Chemical gegen die Produktion von Napalm, mit dem seinerzeit die fliegenden Ledernacken Vietnam in die Steinzeit zurückzubomben versuchten. Viele Amerikaner verkauften ihre Dow-Papiere, der Aktienkurs fiel und eine neue Aktionsform war geboren. Begünstigt wurde der heutige Ethik-Boom in den USA durch das Fehlen einer staatlichen Sozialversicherung und die daraus resultierenden milliardenschweren Pensionsfonds von Kirchen und Universitäten.

Trotzdem wirkt der Abstand befremdlich: In der Bundesrepublik sind bestenfalls einige hundert Millionen Mark "alternatives Geld". Dabei müßte sich auch hierzulande mit Blick auf das Magische Dreieck aus Rendite, Sicherheit und Liquidität die naheliegende Frage aufdrängen: Was geschieht mit dem Geld, das ich der Bank gebe? Umweltverträglich arbeitende Unternehmen zu begünstigen, ist nicht nur über eine ökologische Steuerreform oder über die Ausgabe von Bons für den Luft- und Wasserverbrauch, sondern - in kleinerem Umfange und zur Not als erster Schritt - auch durch Transparenz bei Geldanlagen möglich.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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