Ausgabe Februar 1996

Erstklassiger Fußball, zweitklassige Sponsoren

Am 9. Februar rast das nationale Sponsorengeschäft in einen weiteren Durchlauf: Die Fußball-Bundesliga startet zur Rückrunde. Im Mittelpunkt des ökonomischen Interesses stehen dann wieder die Heldenbrüste der Spieler; mittlerweile gehören deren Bundesligatrikots zu den teuersten Werbeträgern im Lande. Bis zu sechs Millionen Mark zahlen Unternehmen allein dafür, daß ihr Logo auf einer erstklassigen Fußballerbrust prangt. Abnehmer sind allerdings vornehmlich Firmen aus den Niederungen der zweiten Business-Liga. Seit dem Sommer heißt der neue Hauptsponsor des traditionsreichen Hamburger Sport-Vereins Hyundai. Mit diesem Engagement verließ die bis dahin weithin unbekannte deutsche Autofiliale des koreanischen Mischkonzerns erstmals das geschäftliche Nichts. Oder die Firma Zehnder, Hauptsponsor der ehemaligen Überraschungsmannschaft aus Freiburg, ist zwar Marktführer bei "Sonderwärmekörpern", aber mit 570 Beschäftigten doch ein Mittelständler wie er im betriebswirtschaftlichen Lehrbuch steht. Wenigstens auf der blaugestreiften Dienstkluft des neubayerischen Megastars Jürgen Klinsmann prangt der weißliche Schriftzug eines Multis: Opel. Die Europafiliale von General Motors nutzt seit 1989 den Werbewert von Bayern München.

Februar 1996

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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