Ausgabe April 1996

Eine Riesensauerei?

Oskar Lafontaines Aussiedlerfrage

"Fressen, Saufen, Vögeln hat Lafontaine einmal als seine Lieblingsbeschäftigungen angegeben. Es ist klar, daß er für alle drei Vergnügungen Geld braucht. Wenn es knapp wird, müssen Sündenböcke her." Jürgen Busche 1)

Was ist eigentlich passiert? Ganz sicher nicht, was die bündnisgrüne Bundesfraktion suggeriert. In deren Beschlußantrag ist vom Versuch die Rede, "die wirtschaftlichen und sozialen Probleme mit einer Zugangssperre für Spätaussiedler zu lösen". 2) Und damit liegt sie, zieht man die Tatsachen heran, um einiges daneben. Eine "Riesensauerei" glaubte gleichfalls der multikultimäßig bewanderte Daniel Cohn-Bendit erkannt zu haben und fühlte sich darob wieder mal von der Geschichte eingeholt: "Das steht im Kontext mit der absolut traditionellen nationalen Welle der Arbeiterbewegung, die jetzt wieder hochschwappt." Sein Urteil über die Sozis, die halt so seien. 3)

Dabei hat Oskar Lafontaine, und um den geht es, recht - im Prinzip jedenfalls. Der oberste Sozialdemokrat hatte zuerst der Frühjahrstagung der Parteilinken und gleich anschließend vor aller Öffentlichkeit mitgeteilt, daß der Zuzug von Aussiedlern stärker begrenzt werden müsse, als dies gegenwärtig der Fall ist.

April 1996

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