Ausgabe April 1996

Kleine Geschichte der Force de frappe

Von Camille Grand In der letzten Februarwoche dieses Jahres hat Staatspräsident Jacques Chirac in mehreren Ansprachen (vgl. auch "Dokumente zum Zeitgeschehen") einschneidende Veränderungen der französischen Sicherheitspolitik angekündigt, darunter die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht bis zum Jahr 2001. Unberührt davon bleiben, abgesehen von der Ausmusterung der obsolet gewordenen landgestützten Nuklearraketen, die nationale Atomstreitmacht Force de frappe und die spezifisch französische Version der nuklearen "dissuasion" (Abschreckung). Bei allen Protesten gegen Chiracs Atomtestserie im Muroroa-Atoll, auch bei den eher verhaltenen Reaktionen auf die damit einhergehenden Angebote einer "Europäisierung" des französischen Kernwaffenpotentials, ist der Kenntnisstand über Geschichte und raison d'ˆtre der einst viel belächelten Force de frappe in Deutschland kaum gewachsen. Der nachstehende Artikel von Camille Grand, Experte vom Institut de Relations Internationales et Stratégiques (IRIS) in Paris, soll dazu beitragen, Abhilfe zu schaffen. D. Red. Seit der Explosion der ersten französischen Atombombe am 13. Februar 1960 haben General de Gaulle und später seine Nachfolger ein unabhängiges Nukleararsenal und eine eigenständige Abschreckungsstrategie entwickelt. Im Unterschied zu den beiden Supermächten gründete Frankreich seine Nuklearstrategie auf die Idee der Minimalabschreckung.

April 1996

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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