Ausgabe Juli 1996

China und die neue Epoche der Rohstoffverknappung

Eigentlich sollten die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts das Informationszeitalter und ein Rennen um die Beherrschung des Marktes im Bereich von Computerchips und Faseroptik einleiten. Statt dessen könnte das Jahr 1994 den Beginn einer historisch außerordentlich bedeutsamen Periode markieren: Die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts werden wahrscheinlich als eine Zeit der Rohstoffverknappung in die Geschichte eingehen. Bis 1994 hatte China mehr Energie und Getreide exportiert als eingeführt. 1994 kehrte sich das Verhältnis um, der Import dieser Waren überstieg zum erstenmal den Export. Auch wenn sich diese Importe damals bescheiden ausnahmen, ziehen inzwischen die Auswirkungen dieses Wandels im globalen System Kreise. Ende 1993 zahlten US-amerikanische Raffinerien für ein Barrel Rohöl im Durchschnitt etwas unter 13 Dollar. Bis Juni 1994 kletterte der Durchschnittspreis auf 17 Dollar je Barrel und überstieg Anfang 1996 die Marke von 20 Dollar, bevor er angesichts einer erwarteten Wiederaufnahme der Ölexporte aus dem Irak auf 18 Dollar zurückging. 1)

Der Anstieg des Getreidepreises fiel deutlicher aus, nachdem China, das 1993 noch 8 Mio. Tonnen Getreide exportiert hatte, 1995 16 Mio. Tonnen importierte und damit zum zweitgrößten Nahrungsmittelimporteur nach Japan wurde. Der Preis für roten Winter-Weichweizert Nr. 2 lag im September 1993 an der Chicagoer Warenbörse bei 2,99 Dollar pro Bushel.

Juli 1996

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