Ausgabe August 1996

Washington und Riad: Das absehbare Desaster

Der schreckliche Anschlag auf amerikanische Soldaten in SaudiArabien vom 25. Juni des Jahres war vorhersehbar. Und unnötig. Weitere Anschläge dürften folgen. Dabei kommt es wahrscheinlich jedesmal zu einer Verstärkung des amerikanischen Engagements in Saudi-Arabien. Und jede Vergrößerung der US-Präsenz, dort oder in den Nachbarländern, macht alles nur noch schlimmer. Den FBI-Leuten, die gegenwärtig in Saudi-Arabien den Bombenanschlag untersuchen, wird eine stärkere Einschaltung von FBI und CIA in Antiterror- und Polizeimaßnahmen der Saudis folgen. Der amerikanische Druck auf Riad, die von Washington empfohlene Politik zu übernehmen, dürfte ständig wachsen. Das alles zielt auf die Unterdrückung der radikalislamischen Bewegung und die Stärkung (und, kein Zweifel, auf die "Reform") der saudischen Regierung. Bewirken wird es genau das Gegenteil. Wenn die USA und Saudi-Arabien so weiter machen wie bisher, läßt sich heute ziemlich zuverlässig vorhersagen, daß die saudische Monarchie binnen höchsten fünfzehn Jahren stürzt und eine radikale, antiamerikanische Kraft in Riad die Macht ergreift.

Den Golfkrieg wird man künftig wahrscheinlich als den unnötigen Sieg, der zur Vertreibung Amerikas aus der Region führen dürfte, ansehen.

August 1996

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