Ausgabe Februar 1997

Was Boutros-Ghalis Scheitern lehrt

Als Moshe Dayan im Mai 1977 zum israelischen Außenminister ernannt wurde, sagte er, die allerwichtigste Aufgabe eines jeden israelischen Außenministers sei es, die richtige Beziehung zum Präsidenten und zum Kongreß der Vereinigten Staaten aufzubauen. Habe man diese Aufgabe erst einmal erfüllt, so Dayan weiter, sei viel Gutes machbar.

Aber ohne eine solche Beziehung sei gar nichts machbar. Wenn auch die Vereinten Nationen nicht in dem Maße von den USA abhängig sind wie Israel, so sollte doch jeder UN-Generalsekretär sich die Strategie Dayans zu eigen machen: Das richtige Verhältnis zu den USA, dem mächtigsten Mitgliedstaat, zu entwickeln. Kein Zweifel, Amerika hat so seine Macken. Als kontinentale Macht mit ihrem eigenen enormen Binnenmarkt war Amerika seit jeher argwöhnisch gegenüber internationalen Verpflichtungen - so erfolgte die Entsendung von Truppen zu humanitären Zwecken im allgemeinen nur dann, wenn die Situation mit strategischen Eigeninteressen übereinstimmte . Somalia hat uns gelehrt, daß moralische Beweggründe zur Entsendung amerikanischer Truppen ausreichen können. Sobald es aber Verluste gibt, muß der Präsident der Öffentlichkeit plausibel machen können, daß handfeste nationale Interessen auf dem Spiel stehen. Ansonsten sind die Truppen so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind.

Doch es kommt noch schlimmer.

Februar 1997

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