Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind gut, besser, am besten. Deutsche Politiker und Diplomaten betonen es, vor allem seit der Zeitenwende von 1989, derart inbrünstig, daß man mißtrauisch werden darf. Das nordatlantische Militärbündnis, das nebenbei eine politische Wertegemeinschaft war, steht heute in einem völlig veränderten geopolitischen und vor allem geoökonomischen Kontext. Politiker der Kriegs- und Flakhelfer-Generation wie Bush und Kohl haben sich noch als partners in leadership gesehen, und ältere Kulturkämpfer wie Samuel Huntington pochen auf Gemeinsamkeiten der westlichen Zivilisation gegenüber dem Islam und sog. "asiatischen Werten" . Der nachwachsenden Generation von Entscheidungsträgern in Washington, erst recht in Seattle oder Atlanta, ist die Ende der 40er Jahre geschlagene Atlantikbrücke Anathema. Jüngste US-Besuche deutscher Spitzenpolitiker wie des Bundespräsidenten Roman Herzog und des Kanzlerkandidaten in spe Gerhard Schröder sind bloß Phototermine für die deutsche Presse. Die amerikanische Öffentlichkeit nimmt davon genausowenig Notiz wie die Eliten, für die die einstigen Musterschüler der westlichen Allianz derzeit kaum mehr sind als Fußtruppen im amerikanisch geführten Marsch in die Globalökonomie.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.