Ausgabe Januar 1999

Zwischen Gründungskompromiß und Neotraditionalismus

Militär und Gesellschaft in der Bonner Republik

 Die Auseinandersetzung um die Bundeswehr und ihre Stellung in der Gesellschaft reißt nicht ab. Im Brennpunkt steht immer wieder das Verhältnis zur Wehrmacht und damit zu den Lehren aus 1945, zu den Konflikten zwischen Bruch, Neubegründung und Kontinuitätsverlangen im Selbstverständnis der Republik. "Bilder der Wehrmacht in der Bundeswehr" analysierte in dieser Zeitschrift der Militärhistoriker Wolfram Wette ("Blätter", 2/1998, S. 186-196). Detlef Bald, bis 1996 am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr in München tätig, befaßt sich im folgenden mit Entwicklungsphasen und Widersprüchen eines "Militärs in der Republik", das seine Tradition jenseits derselben zu suchen müssen glaubt. - D. Red. Ein Charakteristikum der Bonner Republik war von Beginn an der eigene militärische Machtanspruch. Wenn sich auch Phasen unterscheiden lassen, zeichnet sich doch eine Kontinuität des politischen Machtrealismus ab, den alle Kanzler und Regierungsparteien übereinstimmend mittrugen. Sicherlich gelang es der Republik von Bonn, sich ein Image friedfertiger Machteinhegung bis hin zur Machtvergessenheit 1) aufzubauen: die historische Wirklichkeit jedoch setzte andere Akzente. Kanzleramt wie Hardthöhe haben gleichermaßen eine Hochrüstung des Militärs mit dem politischen Status der Republik identifiziert.

Januar 1999

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