Ausgabe Dezember 1999

Bradley und McCain, willkommener Wechsel

Präsidentschaftswahlen in den USA dauern mittlerweile zwei Jahre, eine Art Dauerlauf für denjenigen, der sich dieser Strapaze aussetzen will. Das eigentliche Wählen beginnt zwar erst Anfang des kommenden Jahres, in den Vorwahlen der Einzelstaaten, aber die Kandidaten sind schon seit geraumer Zeit unterwegs, wobei sie hauptsächlich viel Geld ausgeben. Geld ist der andere Name der amerikanischen Demokratie. Läßt der Geldnebel, der das Wahlsystem einhüllt, es überhaupt zu, Charakter auszumachen? Dabei ist es gerade Charakter, wonach die amerikanischen Wähler bei ihren Kandidaten verzweifelt suchen. Ideologie interessiert die Mehrheit weniger. Der Zentralisierungsdruck des amerikanischen Systems bewirkt, daß Kandidaten mit ausgeprägten ideologischen Standpunkten linker oder rechter Provenienz keine Chance haben. Das Fiasko der "republikanischen Revolution" des Newt Gingrich hat aufs Neue demonstriert, daß radikale Positionen die Mainstream-Wähler verschrecken. Andererseits laden die Vorwahl-Kampagnen zu ideologischem Extremismus geradezu ein, weil diejenigen, die sich überhaupt die Mühe machen, an Parteivorwahlen teilzunehmen (und das sind heutzutage nicht viele), in der Regel Parteiaktivisten sind.

Dezember 1999

Sie haben etwa 18% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 82% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Kampfplatz Berlin: Die dämonisierte Linkskoalition als Türöffner für die AfD

von Albrecht von Lucke

Wahrscheinlich wird es für immer ein Geheimnis bleiben, was am Abend der Berlin-Wahl am 20. September Issa Remmo, Clan-Chef und zentrale Größe der organisierten Kriminalität in Berlin, veranlasste, auf der Wahlparty der Neuköllner Linkspartei aufzulaufen.

Hochglanz und Unterdrückung: Das neue Ägypten

von Hannah El-Hitami

Wer heute in Downtown Kairo unterwegs ist, bewegt sich durch eine Welt voller Kontraste. Eine junge, internationale und kreative Szene breitet sich hier in einem staubig-chaotischen Stadtteil aus, der sonst eher von Traditionsbetrieben und Straßenmärkten mit lokalen Produkten geprägt ist.

Sahel: Falsche Hoffnung in Putschisten

von Roger Peltzer

In der Juni-Ausgabe analysierte Olaf Bernau die Entwicklungen in den drei von Militärjuntas regierten Sahelstaaten Burkina Faso, Mali und Niger als einen in der westlichen Öffentlichkeit verkannten tiefgreifenden Umbruch in der Region, getragen von einer Politik der Hoffnung. Roger Peltzer sieht darin eine gefährliche Rechtfertigung antidemokratischer Regierungen.