Ausgabe Dezember 1999

Das Ende des Systems Jelzin oder Die Schwierigkeiten politischer Erneuerung

Die Amtszeit von Präsident Jelzin geht ihrem Ende entgegen. Am 4. Juni 2000 findet voraussichtlich der erste Wahlgang zur Bestimmung seines Nachfolgers statt. Ein Politiker, der Rußlands Weg nach 1991 maßgeblich mitbestimmt hat, verläßt die Bühne, und eine ganze Führungsgruppe tritt mit ihm ab. Das Verhältnis zwischen Präsident und Parlament wird eine Neubestimmung erfahren - eine Verfassungsreform ist nicht ausgeschlossen -, ebenso das Verhältnis von Gesellschaft und politischer Klasse, das in der Ära Jelzin durch wachsende Entfremdung gekennzeichnet war. Und der Kampf um die Macht hat längst begonnen. Mit Regierungsumbesetzungen, Einschüchterung der Justizorgane und einem regelrechten Medienkrieg versucht die Umgebung des Präsidenten die eigene Ausgangsposition zu stärken und potentielle Konkurrenten zu schwächen.

Die erste Etappe in einem langen Prozeß des Machtwechsels sind die Dumawahlen am 19. Dezember. Zwar hat die Neuwahl des russischen Unterhauses nur eine sehr beschränkte Auswirkung auf die Tagespolitik, doch das Ergebnis wird Auskunft über die Stimmung der Wählerschaft und die Chancen der verschiedenen Präsidentschaftskandidaten geben. Die eigentliche Auseinandersetzung folgt dann in der ersten Hälfte des Jahres 2000.

Dezember 1999

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.