Ausgabe Januar 2000

Das deutsche Modell als Ausweg.

Die sino-taiwanesischen Beziehungen am Ende der 90er Jahre

Nach dem Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder in der Volksrepublik China im November 1999 steht es um das deutsch-chinesische Verhältnis offensichtlich zum Besten. Sowohl auf deutscher als auch auf chinesischer Seite wurde die ehrliche und offene Atmosphäre gelobt, mit der die politischen Führungen beider Staaten über das Verbindende, aber auch über das sie Trennende sprachen nicht zuletzt bei den Menschenrechten. 1) Nicht auf der Tagesordnung stand die Erörterung der Taiwanfrage. Dies mag niemanden wirklich überraschen, denn der kleine Inselstaat gehört nach offizieller deutscher Auffassung politisch und territorial zu China. China wiederum wird durch die VR China repräsentiert, jedenfalls nach Auffassung der großen Mehrheit der internationalen Staatengemeinschaft, die den Souveränitätsanspruch Beijings gegenüber seiner sogenannten Renegatenprovinz unterstützt, auch wenn man stets den Wunsch nach einer friedlichen Lösung der Taiwanfrage zu Protokoll gibt. Die Republik China - so die offizielle Staatsbezeichnung Taiwans - ist dagegen außenpolitisch isoliert. 2) Trotz seiner diplomatischen Isolierung wahrt Taiwan seit dem Ende des chinesischen Bürgerkriegs 1949, als die Reste des nationalistischen Guomindang-Regimes unter Chiang Kai-shek auf der Flucht vor den Truppen Mao Zedongs auf die Insel übersetzten, eine Defacto-Eigenstaatlichkeit.

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