Ausgabe Februar 2000

Schöne neue Aktionärswelt

Eine große Anzeige, im Stil einer amtlichen Verlautbarung, erscheint derzeit regelmäßig in verschiedenen überregionalen Zeitungen. Sie trägt den Titel: "Umtauschangebot an die Aktionäre der Mannesmann AG". Ganz oben, in einem Extra-Rahmen, steht das Kleingedruckte: "Diese Anzeige beinhaltet weder ein Angebot zum Umtausch, Verkauf, Ausgabe oder Wiederausgabe von Wertpapieren noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebotes zum Erwerb, Tausch oder zur Zeichnung von Wertpapieren, soweit dies durch anwendbares Recht untersagt wird." Ein auch grammatisch riskantes Angebot, das keines sein will, wenn es keines sein darf, sonst aber schon? fragt sich verblüfft der Alltagsverstand. Der Widerspruch, den vielleicht nur ein juristisch verbildetes Hirn erklären kann, ist symptomatisch für unsere Situation zu Beginn des Jahres mit den drei Nullen: Wir verstehen nichts, genießen aber den Showeffekt. Wir hatten - um nur einiges aufzuzählen, was die letzten Jahre an star wars zu bieten hatten - Bush gegen Saddam Hussein, Clinton gegen Milosevic. Jetzt haben wir Vodafone gegen Mannesmann.

Die Recken ziehen in die Anzeigenschlacht, der Gigantenkampf verdeckt, was der Vorgang eigentlich bedeutet, daß ein Konzern einen anderen gegen dessen Willen in seinen Besitz bringen kann, indem er die Gewinne der Aktionäre besser zu maximieren verspricht.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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