Ausgabe Juni 2000

Zwischen Parallelgesellschaft, strategischer Ethnisierung und Transkultur

Die türkische Medienkultur in Deutschland

Es ist paradox. Da hatten wir doch geglaubt, daß durch neue Informationstechnologien, durch das Internet und das Satellitenfernsehen, eine ganz neue Ära der Weltgeschichte anbricht: das Zeitalter der Globalisierung. Die gesamten 90er Jahre hindurch haben sich Wissenschaftler und Experten mit der Frage beschäftigt, wie sich die Übertragung ferner und fernster Ereignisse live in die Wohnstube auf gesellschaftliche Zusammenhänge auswirkt. Das Ende des Ethnozentrismus schien in Sicht, das „globale Dorf“, in dem sich über den großen information highway der Menschheitstraum der internationalen Verständigung und der interkulturellen Begegnung erfüllt. Und mitten in diese gerade liebgewonnenen Vorstellungen und Visionen hinein platzt die schlechte Nachricht: „So läuft das nicht.“ Die Mehrzahl der Konsumenten konsumiert über Satelliten und Kabel vor allem eine endlose Ansammlung immer gleicher oder ähnlicher Programme aus dem eigenen Kultur- und Sprachraum. RTL, SAT 1, Pro 7, tm3 – für türkisches Fernsehen interessiert sich kein nicht-türkischstämmiger Deutscher, außer vielleicht ein paar Medienwissenschaftlern oder Hobby-Turkologen. Und die Inder in Großbritannien oder die Türken in Deutschland haben nichts besseres zu tun, als von all den neuen Medienangeboten ausgerechnet die Angebote ihres Herkunftslandes auszuwählen.

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