Ausgabe September 2000

Eine Partei neuen Typs?

Die NPD zwischen NS-Nostalgie und Nationalbolschewismus

"Der Staat ist tot. Der Liberalismus lebt. Wer die mit dem äußeren Getöse des medialen Zeitalters zelebrierten Vorgänge in unserem Land auf ihren politischen Gehalt abklopft, kommt um diesen Befund nicht herum", lauten die einleitenden Sätze des Vortrags "Brot und Spiele im virtuellen Staat", in dem Dr. Dr. Thor von Waldstein in zehn Thesen zum Liberalismus zum dem Schluss gelangt, dass der grundlegende Primat des Ökonomischen über das Politische zum Untergang des Systems des Liberalismus führen wird, da es der "Reichtum des Kapitalismus" sei, der die "geistige und seelische Armut" der Menschen schaffe. Für das "Leben nach dem Liberalismus" postuliert Waldstein: "Unsere Aufgabe wird es sein, den Renouveau des 21. Jahrhunderts den Völkern zu widmen und ihnen all das zurückzugeben, was ihnen der Liberalismus gestohlen hat." Zwar ließe sich die künftige gesellschaftliche Verfasstheit noch nicht absehen, doch sei dies zweitrangig, "da junge und kraftvolle Völker durchaus in der Lage sind, eine ihrer Zeit entsprechende neue 'Menschenfassung' zu gestalten." Sicher aber sei die völkische Fundierung dieser "neuen Ordnung". "Der Liberalismus ist tot. Die Völker leben" 1), heißt es abschließend.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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