Ausgabe Dezember 2000

Merkel, Merz & Meyer

Ein bisschen geistliche Rüste hätte Friedrich Merz ohne Zweifel gut getan. Dieser Tage kann der Unions-Fraktionschef indes nicht einmal unter katholischen Dächern ein Heimspiel erwarten. Als Merz unlängst im großen Saal der katholischen Akademie zu Berlin, demselben, in dem donnerstags der Bundestagausschuss den CDU-Finanzskandal untersucht, über die Zukunft des "C" in seiner Partei diskutierte, legte sein Podiumsnachbar Hans Langendörfer jedenfalls schon nach fünf Minuten ziemlich direkt seinen Finger in die große konservative Wunde. Der Spielraum für die Union sei ziemlich klein geworden, befand der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz. Und zitierte zur Erklärung freimütig Thesen, die man sonst eher von linksliberalen Sozialwissenschaftlern gewohnt ist: Erstens lasse der christlichkonservative Habitus in einer individualisierten Gesellschaft die Mehrheit ziemlich kalt. Zweitens teile die christliche Sozialethik, auf die sich CDU und CSU stets stolz beriefen, bei den derzeit drängenden Fragen nach dem Für und Wider von Globalisierung oder medizinischem Fortschritt "nicht selten die allgemeine Ratlosigkeit". Drittens habe die politische Konkurrenz viele " Modernisierungsziele " übernommen, die ursprünglich von der Union formuliert, aber niemals verwirklicht worden waren.

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