Ausgabe Januar 2001

Unsicherheitsfaktor Afghanistan

Seit Sommer 1999 erlangten Sicherheitsprobleme Zentralasiens internationale Aufmerksamkeit. In Zusammenstößen zwischen regulären Streitkräften und aufständischen Bojewiki (Kämpfer, Freischärler) zeigten sich gravierende Schwächen nationaler und regionaler Sicherheitsstrukturen in diesem Teil der GUS, im nördlichen Umfeld des afghanischen Krisenherds. 1) Bereits im Februar 1999 hatte ein Bombenattentat in Taschkent die Selbstdarstellung Usbekistans als Modell autoritärer Stabilitätswahrung im postsowjetischen Zentralasien nachhaltig erschüttert. Mitte des Jahres drangen Freischärler aus dem Umkreis einer "Islamischen Bewegung Usbekistans" von außerhalb der Regierungskontrolle stehenden Gebieten Tadschikistans in die kirgisische Provinz Batken ein, um von dort weiter nach Usbekistan vorzustoßen und im Ferganatal für einen "islamischen Staat" zu kämpfen. Ein Jahr nach dem "Schock von Batken" wiederholten sich Infiltrationen bewaffneter Gruppen aus Tadschikistan und Afghanistan in das Hoheitsgebiet der Nachbarstaaten, diesmal auch in eine Provinz Usbekistans.

Krisenbogen

Vor diesen Ereignissen hatte Zentralasien im Vergleich zu der von ethnisch-territorialen Konflikten destabilisierten kaukasischen Region als verhältnismäßig stabil gegolten.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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