Staaten schaffen einen einheitlichen Politik- und Rechtsraum, der soziale Differenzierung und Kooperation gleichermaßen gestattet. Sie sind im Unterschied zu Imperien („Reichen“) eine ausgesprochen moderne Erscheinung. Denn sie stellen eine notwendige Voraussetzung für die Entfaltung aller Modernisierungskräfte dar, insbesondere – Ernest Gellner hat darauf hingewiesen – ein höchst wirksames Regelwerk, dessen die kapitalistische Modernisierung der Ökonomie zu ihrer Freisetzung und Förderung bedarf. Nationalstaaten, verstanden als unter einheitlicher politischer Herrschaft stehende Territorien mitsamt ihren „staatsangehörigen“ Bevölkerungen, haben sich auf zwei unterschiedlichen Entwicklungspfaden herausgebildet: auf dem Wege der „unitarisierenden“ Verschmelzung kleiner Einheiten zu einer größeren durch nationale Einigung oder als Abspaltung peripherer Reichsteile (auch Kolonien) in einem Prozeß nationaler Befreiung und Unabhängigkeit. Einheit und Freiheit sind die beiden Werte, die nicht nur bereits existierende Staaten ihren Bürgern verbürgen; es handelt sich zugleich um die Triebkräfte und Leitwerte auf den beiden entgegengesetzten Wegen zur Eigenstaatlichkeit.
Was im September mit der Blockade einiger Oberstufenschulen in Städten wie Paris und Lyon begann, eskalierte wenige Wochen später an einem chaotischen und brutalen Protesttag: Der 17. Oktober wird in Frankreichs Geschichte eingehen.