Ausgabe April 2001

Gibt es eine europäische Gesellschaft? Kann es sie geben?

Staaten schaffen einen einheitlichen Politik- und Rechtsraum, der soziale Differenzierung und Kooperation gleichermaßen gestattet. Sie sind im Unterschied zu Imperien („Reichen“) eine ausgesprochen moderne Erscheinung. Denn sie stellen eine notwendige Voraussetzung für die Entfaltung aller Modernisierungskräfte dar, insbesondere – Ernest Gellner hat darauf hingewiesen – ein höchst wirksames Regelwerk, dessen die kapitalistische Modernisierung der Ökonomie zu ihrer Freisetzung und Förderung bedarf. Nationalstaaten, verstanden als unter einheitlicher politischer Herrschaft stehende Territorien mitsamt ihren „staatsangehörigen“ Bevölkerungen, haben sich auf zwei unterschiedlichen Entwicklungspfaden herausgebildet: auf dem Wege der „unitarisierenden“ Verschmelzung kleiner Einheiten zu einer größeren durch nationale Einigung oder als Abspaltung peripherer Reichsteile (auch Kolonien) in einem Prozeß nationaler Befreiung und Unabhängigkeit. Einheit und Freiheit sind die beiden Werte, die nicht nur bereits existierende Staaten ihren Bürgern verbürgen; es handelt sich zugleich um die Triebkräfte und Leitwerte auf den beiden entgegengesetzten Wegen zur Eigenstaatlichkeit.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Polen: Rechtes Comeback auf Kosten der Ukraine?

von Ignaz Szlacheta

»Zwischen Polen und der Ukraine ist ein Geschichtsstreit eskaliert«, titelte die Tagesschau im Juni. Das erfasst allerdings nur einen Teil der Geschichte: Der Konflikt ist für Polens Präsident Karol Nawrocki ebenso ein innenpolitisches Werkzeug zur Einigung der zersplitterten polnischen Rechten.