Ausgabe Juni 2001

Reformland Japan?

Seit Junichiro Koizumis Wahl zum Vorsitzenden der Liberaldemokratischen Partei (LDP) und Premierminister scheint in der japanischen Politik nichts mehr so, wie es war. Die Medien feierten Koizumis Sieg als revolutionär. Seit Wochen beherrscht das Thema Reformen, mit dem er sich um den LDP-Vorsitz beworben hatte, die Schlagzeilen der wichtigsten Tageszeitungen. Auch die Wähler zeigten überwältigendes Vertrauen zu Koizumi; in einer Meinungsumfrage der Tageszeitung "Yomiuri Shinbun" erklärten 87% der Befragten ihre Unterstützung für das neu gebildete Kabinett. Das ist die höchste Zustimmungsrate für eine neue Regierung seit 1945. 1)

Eine Wende?

Ist die Popularität des Premierministers lediglich einem anfänglichen Enthusiasmus für eine neue Regierung geschuldet? Oder kann man nach der Amtsübernahme Koizumis in der Tat von einer Wende in Japans Politik sprechen? Die Umstände von Koizumis Wahl zum Vorsitzenden der seit 1955 nahezu ununterbrochen regierenden LDP unterscheiden sich zumindest erheblich von der bisherigen Parteipraxis, und auch seine Agenda weicht von der LDP-Linie ab. Vor allem aber weckt sein Ziel, "Verändert Japan, verändert die LDP", vielerorts Hoffnung auf die angesichts politischer Stagnation lang ersehnte Wende.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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