Ausgabe Mai 2002

Asymmetrien des Palästina-Konflikts

In Zeiten, wie sie gegenwärtig den Nahen Osten beuteln, stellt sich mit großer Dringlichkeit die Frage, was Kollektiven alles widerfahren müsse, damit sie zur Besinnung kommen. Damit sie den barbarischen Umgang miteinander in eine zivilisierte Form der Regelung des beide beherrschenden Konflikts kanalisieren. Entsetzt blickt man auf die Schrecknisse zunehmend eskalierender Gewalt, auf das Grauen eines Gemetzels, welches nicht nur immer mehr Menschenleben auslöscht, nicht nur zur wilden Zerstörung notwendiger Lebensgrundlagen führt und nicht nur nackter Gewalt, blanker Destruktion eine so schon seit langem nicht dagewesene ideologische Legitimation verschafft. Es liquidiert zugleich die Überreste einer über Jahre mühsam aufgebauten Annäherungsund Vertrauensstruktur.

Was sich in den letzten Wochen zwischen Israelis und Palästinensern zuträgt, schlägt Wunden, die selbst, wenn der Konflikt dereinst formell beigelegt wird, offen bleiben und nur sehr allmählich verheilen dürften. Israels Juden und die Palästinenser haben in den vergangenen Jahrzehnten je eigene kollektive Gedächtnismuster entfaltet, welche von gewaltdurchwirkten Realgeschehnissen, nicht minder aber von deren Ideologisierung geprägt sind.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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