Er werde Hongkongs Bürger exekutieren, versprach Chief Executive Tung Chee-hwa, Hongkongs erster chinesischer Regierungschef, am 8. Oktober 1997 in seiner Jungfernrede vor dem Provisorischen Legislativrat der ehemaligen britischen Kronkolonie. In Wirklichkeit handelte es sich natürlich nicht um ein Versprechen, sondern um einen Versprecher - der aus Shanghai stammende Tung hielt seine Ansprache auf kantonesisch und mit Hongkongs Lokaldialekt steht er auf Kriegsfuß. Eigentlich wollte er sagen, seine Regierung werde auf die Meinung der Bürger hören. Dass Tung vor einem Legislativrat sprach, der nach Ansicht unparteiischer Juristen jeglicher rechtlichen Grundlage entbehrt und dessen 60 von Peking eingesetzte Mitglieder angetreten waren, die vom letzten britischen Gouverneur Chris Patten gegen den erbitterten Widerstand Chinas durchgesetzten Reformen rückgängig zu machen, sofern sie die Macht Pekings einschränkten, störte anscheinend kaum jemanden: Wie Meinungsumfragen zeigten, erfreute sich Tung nach 100 Tagen im Amt einer Zustimmungsrate von über 65%. Im August 1997, keine zwei Monate nach der Übernahme, hatte sie sogar 82%, betragen - höher als die Pattens, der es nie auf mehr als 77% brachte. Tungs Beliebtheit, unkten die Skeptiker damals, rühre von der verständlichen Erleichterung über das, was er nicht getan habe.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.