Ausgabe November 2002

Schlafende Tiger

Als im September auf einer thailändischen Militärbasis Gespräche zwischen der Regierung Sri Lankas und den Liberation Tigers of Tomil Eelum (LTTE) stattfanden, war es bereits der fünfte Versuch zur Beendigung eines Krieges, der mehr als 70 000 Menschen das Leben gekostet, eine Million Menschen vertrieben, eine weitere Million zur Flucht ins Ausland veranlasst sowie den Norden und Osten des Landes weit gehend verwüstet hat. Doch diesmal konnten die Verhandlungspartner auf besseren Ausgangsbedingungen aufbauen. So gibt es seit Ende Februar einen offiziellen Waffenstillstand, den die Sri Lanka Monitoring Mission unter Beteiligung skandinavischer Militärs überwacht. Wirtschaftsembargos wurden aufgehoben, der Warenverkehr floss wieder. Eine Welle von Touristen, Pilgern und rückkehrwilligen Vertriebenen strömte in die ehemaligen Kriegsgebiete.

Auch die Internationalisierung des Konflikts durch die Vermittlerrolle Norwegens und die Anerkennung der LTTE als einzige authentische Vertretung der Tamilen wirkten sich positiv aus. In den Jahren zuvor waren die Tamil Tigers wegen ihrer Attentate auf zivile Ziele noch als "terroristische Organisation" geächtet worden. Beide Seiten einigten sich auf ein pragmatisches Vorgehen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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