Ausgabe Januar 2003

Chinas Führungswechsel

Führungswechsel und Wirtschaftsreformen beherrschten die westliche Berichterstattung über den 16. Kongress der Chinesischen Kommunistischen Partei. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch selbst Chinesen würden zugeben, dass es sich bei diesen Dingen um Äußerlichkeiten handelt.

Von keinem der Funktionäre aus der zweiten Riege, die jetzt in die oberste Führung berufen wurden, darf man fundamentale Veränderungen des zwischen Parteidiktatur und Parteichaos schwankenden Systems erwarten. Und Jiang Zemin bleibt als Graue Eminenz die oberste Autorität in der Partei: Die Herrschaft eines „Kaisers“ endet nun einmal nur durch Tod oder Umsturz.

Grundlegende Veränderungen werden eines Tages kommen, aber kaum als geplanter Wandel. Eine Parteidiktatur, die sich selbst zu reformieren versucht, kommt einer Revolution nahe. Dabei zeigt die neue chinesische Parteiführung keinerlei Anhaltspunkte für das Bewusstsein einer moralischen Krise, welches vor knapp zwei Jahrzehnten die sowjetischen Reformer um Gorbatschow kennzeichnete.

Für die Führung eines Systems, das Verantwortung für gewaltige Verbrechen trägt, haben Gorbatschow und seine Kollegen jedoch etwas ganz Seltenes – historisch Präzedenzloses – getan: Sie versuchten, die Wahrheit über das, was die kommunistische Partei Russland angetan hatte, ans Licht zu bringen.

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