Ausgabe Mai 2003

Gefährliche Dominospiele im Mittleren Osten

Blätter-Gespräch

"Blätter": Herr Kermani, Sie haben für eine von außen erzwungene Demokratisierung des Irak, allerdings mit friedlichen Mitteln, plädiert. Das war vor den Bombardierungen. Wie hätte diese Alternative zum jetzt doch überraschend schnell militärisch gewonnenen Krieg aussehen sollen?

Kermani: So, wie man mit anderen Diktatoren verfahren ist. Wie sind denn die Umbrüche in Indonesien, in Südkorea oder, in den 70er Jahren, in Spanien, in Portugal oder im Iran geschehen? Natürlich zunächst durch Veränderungen von innen, aber auch durch entsprechenden Druck von außen. Dieser war zum Teil wirtschaftlich, aber vor allem diplomatisch und hat einen Dialog in Gang gesetzt. Das geeignete Instrumentarium wäre also das ganze Arsenal der Entspannungspolitik von Boykottmaßnahmen, ökonomischen Druck einerseits und der in Aussicht gestellten Annäherung andererseits, also etwa parlamentarischer Austausch und Förderung zivilgesellschaftlicher Strukturen.

"Blätter": Hätten Menschenrechtskommissionen bei einem Diktator vom Kaliber Saddam Hussein denn wirklich Aussicht auf Erfolg gehabt?

Kermani: Im Falle des Iraks wäre es mit einer ziemlich fest im Sattel sitzenden Diktatur natürlich nicht so einfach gewesen wie bei bereits absterbenden Diktaturen.

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