Ausgabe Juli 2003

Verdrängtes NS-Gedenken

Jena steht vor einem großen Ereignis. "Das erste Denkmal für die Opfer der SED-Diktatur" soll dort aufgestellt werden. So lautete auch der (Unter-)Titel eines Kommentars in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (30.5.2003), in dem sich Michael Jeismann unter diesen Vorzeichen mit dem Angebot eines in den USA zu Geld gekommenen ehemaligen DDR-Staatsangehörigen auseinandersetzt, ein nationales Mahnmal für die 400 000 in der DDR Verfolgten zu finanzieren. Angesichts einer Situation, in der nach Jeismann die alte Heimat mehr als genug mit den neuen Herausforderungen zu tun habe und die Erinnerung an die DDR Erinnerung sein lasse, sei dies ein zumindest erwägenswertes Angebot. Zumal: "Wo die Erinnerung noch ist, soll es auch an Geld nicht fehlen." Und der Zeitpunkt passt auch: Der 17. Juni jährte sich nun zum 50. Mal.

Von einer solchen Unterstützung können die Opfer der NS-Militärjustiz weiterhin nur träumen. Zwar erklärte der Bundestag in Einvernehmen mit dem Land Sachsen, Torgau als der zentrale Ort ihrer Verfolgung – hier residierte das Reichsmilitärgericht und hier befanden sich entsprechende Haft- und Erschießungsstätten – solle auch der zentrale Ort des Gedenkens werden, doch blieben dies bisher leere Worte.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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