Ausgabe Juli 2004

Japan auf südkoreanisch

Südkorea schaut auf äußerst turbulente Monate zurück, die die politischen Machtverhältnisse grundlegend verändert haben. Korea-Kenner Karl Grobe sprach in der "Frankfurter Rundschau" gar von einer "Handy Revolution", die stattgefunden habe. Mit Kerzendemonstrationen, zu denen sich allabendlich Hunderttausende auf den Straßen Seouls versammelten, brachte die südkoreanische Bevölkerung zum Ausdruck, wie sehr sie das von der Parlamentsopposition angestrengte Impeachment- Verfahren gegen den Präsidenten missbilligte. So überraschte auch der grandiose Wahlsieg von Präsident Rohs Our Open Party (Uri-Partei) bei der Parlamentswahl am 15. April nicht wirklich. Und wie bereits bei Rohs Wahl zum Präsidenten spielten die Netizens bei der Organisierung des Protests gegen das Impeachment und der Mobilisierung für die Parlamentswahl eine entscheidende Rolle. Netizen - das aus "Net" und "Citizen" zusammengesetzte Kunstwort - steht für die mittels Internet und mobiler Telefone vernetzten Bürger, die vor allem der jüngeren Generation angehören.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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