Südkorea schaut auf äußerst turbulente Monate zurück, die die politischen Machtverhältnisse grundlegend verändert haben. Korea-Kenner Karl Grobe sprach in der "Frankfurter Rundschau" gar von einer "Handy Revolution", die stattgefunden habe. Mit Kerzendemonstrationen, zu denen sich allabendlich Hunderttausende auf den Straßen Seouls versammelten, brachte die südkoreanische Bevölkerung zum Ausdruck, wie sehr sie das von der Parlamentsopposition angestrengte Impeachment- Verfahren gegen den Präsidenten missbilligte. So überraschte auch der grandiose Wahlsieg von Präsident Rohs Our Open Party (Uri-Partei) bei der Parlamentswahl am 15. April nicht wirklich. Und wie bereits bei Rohs Wahl zum Präsidenten spielten die Netizens bei der Organisierung des Protests gegen das Impeachment und der Mobilisierung für die Parlamentswahl eine entscheidende Rolle. Netizen - das aus "Net" und "Citizen" zusammengesetzte Kunstwort - steht für die mittels Internet und mobiler Telefone vernetzten Bürger, die vor allem der jüngeren Generation angehören.
Zu den bitteren Erkenntnissen internationaler Politik und Berichterstattung gehört: Unsere Aufmerksamkeit reicht oft nur für eine Großkrise. Das Resultat: vergessene Konflikte überall auf der Welt.