Ausgabe November 2004

Im Sumpf

Das Scheitern der USA von Vietnam bis Irak

Als die USA vor drei Jahren den Krieg gegen Afghanistan begannen - der eigentlich einer gegen Al Qaida sein sollte -, ließen greifbare Fortschritte ziemlich lange auf sich warten. Erst als man sich der Nordallianz als Bündnispartner versicherte, stellten sich erste "Erfolge" ein. So trat am 27. November 2001 ein gut gelaunter Verteidigungsminister Donald Rumsfeld voller Zuversicht vor die von ihm sonst so verachteten Pressevertreter, die, nach einer seiner berühmt gewordenen Aussagen, "über die Konzentrationsfähigkeit von Mücken" verfügten.1 Es habe so ausgesehen, erläuterte er ihnen ungewohnt geduldig, "als sei unsere Technik zu kompliziert, bis wir schließlich in der Lage waren, sie den Bedingungen auf dem Kriegsschauplatz anzupassen". Rumsfeld weiter: "Es sah so aus, als passiere gar nichts. Ja, es sah wirklich so aus, als steckten wir in einem", an dieser Stelle machte der Verteidigungsminister eine Kunstpause, als fordere er die Journalisten auf, alle zusammen einzustimmen, "in einem Sumpf."2

Das Wort Sumpf, auf englisch "Quagmire", meint laut Lexikon "eine Art sumpfigen oder morastigen Boden, dessen Oberfläche unter den Füßen dessen, der ihn betritt, nachgibt, einen Morast". Daneben wird das Wort auch im übertragenen Sinn benutzt als Bezeichnung für "eine Situation aus der herauszukommen sehr schwierig ist"3 und könnte in diesem Sinne mit dem deutschen Begriff "Schlamassel" übersetzt werden.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.