Ausgabe März 2006

Russland und das kosovarische Exempel

Über Nacht ist Kosovo wieder zu einem Thema der Weltpolitik geworden. Doch nicht wegen des Todes von Präsident Ibrahim Rugova oder der Entwicklung vor Ort, sondern aufgrund russischer Ambitionen.

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin ging unmittelbar vor dem Außenministertreffen der Kosovo-Kontaktgruppe am letzten Januartag in London in die rhetorische Offensive. Russland will die offensichtliche Entschlossenheit des Westens, die mehrheitlich von Albanern bewohnte serbische Provinz in die Unabhängigkeit zu führen, für eigene Zwecke nutzen. So hat der russische Präsident wiederholt in Aussicht gestellt, dass Moskau die Unabhängigkeit der abtrünnigen Gebiete in den ehemaligen sowjetischen Republiken anerkennen wird, sollte der Westen auf der Selbstständigkeit Kosovos beharren. In Frage dafür kommen Süd-Ossetien und Abchasien in Georgien, Nagorno-Karabach, die armenische Enklave in Aserbaidschan, sowie Transnistrien in Moldawien, wo nach blutigen ethnopolitischen Auseinandersetzungen seit mehr als einem Jahrzehnt die Konflikte ungelöst sind – trotz der Vermittlungsbemühungen der UNO und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE). Zudem brachte der Kremlchef auch die Lage der russischen Bürger in den baltischen Staaten ins Spiel, indem er diese als wesentlich rechtloser darstellte als die Albaner in der Republik Mazedonien.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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