Ausgabe Juni 2006

Thailand nach der Thaksinokratie?

Seit Monaten dauert die politische Krise in Thailand an; ein Ende ist bis heute nicht in Sicht. Im November 2005 begannen erste Proteste gegen den als allmächtig geltenden Premier Thaksin Shinawatra; diese steigerten sich im Februar und März dieses Jahres zu wöchentlichen Massendemonstrationen und zwangen ihn schließlich, vorgezogene Neuwahlen für den 2. April d.J. anzusetzen. Auslöser der Krise war der Verkauf von Thaksins Medienimperium Shin Corp an eine Staatsfirma Singapurs: Der „größte Deal in der Geschichte Thailands“ brachte Thaksin 73 Mrd. Baht (über 1,5 Mrd. Euro) ein – für die er keinerlei Steuern zahlte.

Die Wahl im April löste die Krise jedoch nicht, im Gegenteil: Alle relevanten Oppositionsparteien werteten die überstürzt anberaumten Neuwahlen als Täuschungsmanöver des klug taktierenden Premiers und der von ihm gegründeten Partei Thai Rak Thai („Thais lieben Thais“). Sie entschieden sich deshalb für einen Wahlboykott. Und die Rechnung ging auf: Aufgrund der Nord- Süd-Teilung des Landes in klare Einflusssphären der Parteien konnte im Süden des Landes kein Kandidat die 20-Prozent-Hürde nehmen; die vorgeschriebene Zahl von landesweit 500 Abgeordneten wurde auf diese Weise nicht erreicht.

Dieses Ergebnis heizte die Auseinandersetzung nur noch mehr an.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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