Ausgabe Juni 2006

Chinesischer Chauvinismus

Nationalitätenkonflikte im Reich der Mitte

Chinas Wirtschaft boomt wie keine zweite, doch der politische Wandel im Reich der Mitte lässt nach wie vor auf sich warten. Wer mit China Geschäfte machen möchte, vermag die Augen vor mangelnder Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Einhaltung der Menschenrechte vielleicht zu verschließen. Fraglich ist indes, wie lange sich Peking angesichts zunehmender innenpolitischer Spannungen einer Systemerneuerung und -öffnung versperren kann.1 Es mehren sich die Anzeichen, dass die innere Stabilität des Landes gefährdet sein könnte, wenn die chinesische Führung ihren Kurs des aggressiven Nationalismus beibehält und so davon abzulenken trachtet, dass die Ursachen sozialer Spannungen auch in der eigenen Politik zu suchen sind.

Der immer wieder aufflammende gesellschaftliche Protest im bitterarmen Westen des Landes zeigt, dass der chinesische Nationalismus bei der armen Landbevölkerung oftmals das Gegenteil von dem bewirkt, was er fordert – zumal dann, wenn sich das Gefühl einstellt, nicht freiwillig, sondern erzwungenermaßen der han-chinesischen Kultur anzugehören. Ungeachtet einer deutlichen Dominanz von Han-Chinesen mit knapp 92 Prozent der Gesamtbevölkerung ist China ein Vielvölkerstaat mit entsprechenden Problemen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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