Ausgabe September 2006

Nordkorea: Die Stunde des Militärs

Zwar waren die Vorbereitungen des nordkoreanischen Raketentests wochenlang beobachtet worden, aber der Abschuss von gleich sieben potentiell atomaren Trägerraketen just am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag der USA, war dann doch eine politische Demonstration, die in dieser Deutlichkeit nicht erwartet worden war. Dieser Test, der im Falle der zweistufigen Taepodong-IIRakete (mit einer Reichweite bis zu den Vereinigten Staaten) allerdings bereits nach 40 Sekunden scheiterte,1 sollte ein machtvolles Zeichen einer schlagkräftigen nordkoreanischen Armee sein – nicht nur gegenüber den USA und Japan, sondern auch gegenüber Südkorea und China, die beide das letzte stalinistische Bollwerk zur atomaren Abrüstung überreden und mittels wirtschaftlicher Zusammenarbeit zur Welt hin öffnen wollen. Und auch der eigenen Bevölkerung sollten die Raketenabschüsse signalisieren, dass nicht die Öffnung des Landes ansteht, sondern dessen Selbstverteidigung.

Wie zugespitzt die Lage in der Region derzeit ist, belegte zudem der Schusswechsel am 1. August zwischen nord- und südkoreanischen Soldaten nahe der Demilitarisierten Zone (DMZ), aber auch die Zurückweisung von Lebensmittellieferungen des Internationalen und Südkoreanischen Roten Kreuz nach der Flutkatastrophe im Juli.

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