Ausgabe Oktober 2006

Failed State Afghanistan und das Versagen des Westens

Das Foto vom Bonner Petersberg wirkt wie eine Reminiszenz an bessere Zeiten: Im Dezember 2001 legten Vertreter des afghanischen Volkes und der internationalen Staatengemeinschaft in Bonn die Grundlagen für das, was gemeinhin als Konzept für Nation-Building, das heißt die Gründung eines neuen afghanischen Staates, bezeichnet wurde.

Fünf Jahre später hat sich vieles verändert: Im Süden sind Taliban und militante Gegner der Regierung erstarkt. Zugleich ist die Popularität von Präsident Hamid Karsai, lange Zeit der Liebling des Westens, auf einem Tiefpunkt angelangt. Einheimische Bevölkerung wie westliche Diplomaten kritisieren sein Zaudern. Man wirft Karsai vor, zu nachsichtig mit Kriegsverbrechern und Drogenbaronen umzugehen. Nach den Mai-Unruhen in der Hauptstadt gab es Putschgerüchte gegen die Regierung, auch Spekulationen über eine Nach- Karsai-Ära.

In der kurzen Eruption der Gewalt im Mai d.J. hat sich nicht nur der Hass auf das rambohafte Auftreten von US-Militärs entladen. Auch internationale Hilfsorganisationen und deren Vertreter waren Ziel von Anfeindungen. Es ist kaum zu übersehen, dass ein Teil der internationalen Akteure bei der Bevölkerung an Vertrauen eingebüßt hat. Während hierzulande Unverständnis und Frustration über die afghanischen Verhältnisse wachsen, mehren sich die Anzeichen, dass internationale Staatengemeinschaft und Hilfsorganisationen mit ihrer Politik zur aktuellen Situation beigetragen haben.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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