Ausgabe November 2006

Das Ende Lateinamerikas?

Der mexikanische Politikwissenschaftler Jorge G. Castañeda, heute wohl Lateinamerikas klarsichtigster Analytiker, veröffentlichte Anfang der 90er Jahre, als nach der Implosion der Sowjetunion die Postmoderne auch den Subkontinent erreichte, einen Nachruf auf die progressiven Bewegungen der Region.Der mexikanische Politikwissenschaftler Jorge G. Castañeda, heute wohl Lateinamerikas klarsichtigster Analytiker, veröffentlichte Anfang der 90er Jahre, als nach der Implosion der Sowjetunion die Postmoderne auch den Subkontinent erreichte, einen Nachruf auf die progressiven Bewegungen der Region. Sein „Utopia Unarmed“ prophezeite Lateinamerika nach dem Austrocknen der revolutionären Guerilla angesichts der immer noch ungelösten sozialen Frage eine besonnen agierende Linke von der Art der europäischen Sozialdemokratie. Chiles Entwicklung schien ihn zu bestätigen. Heute jedoch muss er eine deutlich andere Linke konstatieren, mit Venezuela unter Präsident Hugo Chávez als Avantgarde.1

 

Mangels brauchbarer Kategorien für die Einordnung der neuen Phänomene wird gerne der Begriff „Linkspopulismus“, wahlweise auch „Neopopulismus“, strapaziert. Infolge des hohen Abstraktionsgrades hilft das jedoch nicht weiter. Zusätzlich verwirrt die zunehmende Heterogenität der politischen Szene Lateinamerikas.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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