Ausgabe Juni 2007

Die Dialektik von Welt und Nation

Zur Transformation von Territorium, Autorität und Recht

Wir leben in einer Zeit epochaler Transformationen – epochal selbst dort, wo es lediglich um Teiltransformationen geht. Manche sprechen von „Globalisierung“, um diesen Wandel auf den Begriff zu bringen. Sie betrachten ihn als einen Wettkampf national vs. global. Andere konzentrieren sich auf den „Antiterrorkrieg“ und den „Ausnahmezustand“, der Regierungen, wie sie hervorheben, zum legalen Missbrauch ihrer Befugnisse ermächtigt. Es gibt noch eine Reihe weiterer Versuche, das Wesen der großen Transformation adäquat zu benennen und zu deuten. Diese Hinweise dürften jedoch genügen, um deutlich zu machen, dass die Kommentierung der grundlegenden Veränderungen unserer Tage sich großenteils um ein und dieselbe Annahme dreht: Der Nationalstaat ist in Bedrängnis, mindestens aber droht die Erosion des Schutzes, den er auf seinem Territorium bisher gewährleisten konnte.

Meine These ist demgegenüber, dass keine dieser Betrachtungsweisen den grundlegenden Wandel vollständig erfasst. Ein ganz entscheidender, aber weitgehend übersehener Zug unserer Zeit besteht in der Vervielfachung globaler Assemblagen1, wie ich sie nennen möchte, die sich – in einem breiten Spektrum, partiell und oft hochgradig spezialisiert – sozusagen aus Teilstücken von Territorium, Autorität bzw.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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