Ausgabe September 2007

Krieg und Frieden nach 9/11

Zum sechsten Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center wird erneut die Frage nach der Veränderung der Welt seit „Nine-Eleven“ gestellt. Ich setze, wie man sieht, „Nine-Eleven“ in Anführungszeichen. Weil ich das Datum – anders als das Klischee es will, „9/11“ habe die Welt verändert – nicht als die Wasserscheide der Zeitgeschichte betrachte. Natürlich war die Zerstörung des World Trade Center, bei der annähernd 3000 Menschen zu Tode kamen, ein grausiger Vorgang, der mich immer wieder, wenn ich die Bilder im Fernsehen sah, in Furcht und Schrecken versetzte. Hier sollte man wirklich von einer „humanitären Katastrophe“ sprechen. Dennoch glaube ich nicht, dass „9/11“ die Welt verändert hat. Was sich veränderte, ist die Art und Weise, in der die Amerikaner die Welt betrachten. Der Wandel, der stattfand, vollzog sich in Amerikas Wahrnehmung dieser Welt, nicht in deren Realitäten. Ich sage das aus zwei Gründen.

Erstens, weil es bereits vor dem 11. September 2001 eine Serie terroristischer Anschläge gab, die sich gegen die Vereinigten Staaten richteten. Diese hatte jedoch kaum jemand in Amerika als Symptome einer historischen Transformation gedeutet, die „die Welt verändern“ würde. Erst nach 9/11 begann man, von einem solchen Wandel zu reden, und zwar ausgelöst durch dieses Datum.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.