Ausgabe September 2007

Der neue Technikpopulismus: Technokratie oder Demokratie?

In den 80er Jahren schien die Technokratie-Debatte durch die Annahme der prinzipiellen Gestaltbarkeit technischer Systeme eigentlich erledigt. Heute zeigt sich, dass trotz einer breiten Demokratisierung der Technikgestaltung die Dominanz technischer Systeme und Infrastrukturen nicht geringer geworden ist. Im Gegenteil: Neue Technologien prägen wie nie zuvor unsere Lebenswelt und politischen Strukturen.

Die Feststellung, dass die scheinbar nur ihren eigenen Gesetzen folgende Technik alle anderen Bereiche der Gesellschaft überformt, ist ein gemeinsamer Topos linker und konservativer Technikkritik. Das Ergebnis technischer Sachzwänge sei die Entpolitisierung der Entscheidungsfindung durch vermeintlich rationale Entscheidungsmethoden sowie die Dominanz eines sich jeder parlamentarischen Kontrolle entziehenden Expertennetzwerks. Einzig durch ihren Sachverstand – und durch kein Mandat legitimierte – Experten würden in Konkurrenz zu den Verfassungsorganen treten („Herrschaft kraft Wissen“). Jeder Meter, den die Technik erobere, sei für die Demokratie verloren – so argumentierten konservative Technikkritiker wie Friedrich G. Jünger, Helmut Schelsky und Ernst Forsthoff, aber auch eher linke Autoren wie Jürgen Habermas und Herbert Marcuse.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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