Ausgabe November 2007

Jenseits der Spekulationskrise

Das Diktat der Finanzmärkte und Perspektiven der Gegensteuerung

Niemand weiß, wie lange die weltweite Finanzkrise noch dauern wird, die ziemlich harmlos als Schieflage im amerikanischen Markt für zweitklassige Hypotheken begonnen hat. Auch weiß niemand, welche Folgen für das Wachstum, die Beschäftigung und den Lebensstandard der Menschen sie noch mit sich bringt. Bis Anfang Oktober 2007 waren die Schäden vergleichsweise gering. Das kann sich noch ändern, muss es aber nicht. Es hat schon massive Finanzkrisen gegeben, beispielsweise die amerikanische Aktienkrise im Jahre 1987, die fast spurlos an einer robusten Konjunktur vorübergegangen sind. Andere, wie die Asienkrise ab 1997, haben gesamtwirtschaftliche und soziale Einbrüche ausgelöst, wieder andere beginnende Rezessionen verstärkt – etwa die Krise des Europäischen Währungssystems von 1992/93 oder der Crash der New Economy im Jahre 2000.

Finanzkrisen sind regelmäßige Begleiterscheinungen kapitalistischer Entwicklung. Sie laufen immer nach dem gleichen Schema ab, das im Wesentlichen von Herdenverhalten bestimmt wird: Euphorie – Panik – Absturz.1 Irgendein Ereignis löst Erwartungen auf hohe Gewinne aus, die im Handel mit bestimmten Waren – beispielsweise Getreide, Schafen, Rohstoffen, Häusern, Aktien, Währungen oder Ableitungen und deren Kombinationen – erzielt werden können.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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