Ausgabe September 2009

Unsozial in die Wahl

In der Krise, die einen dramatischen Einbruch der Wirtschaftsleistung mit sich bringt und Millionen von Menschen um ihre Zukunft bangen lässt, schlägt, so sollte man meinen, die Stunde der Sozialpolitiker. Und siehe da: In den Wahlprogrammen der im Bundestag vertretenen Parteien gibt es durchaus sozialpolitische Vorschläge, die aus der Krise führen und die Republik zukunftsfähiger machen sollen. Doch wie neu und wie sozial sind diese Ideen tatsächlich?

Der CDU-Evergreen: „Sozial ist, was Arbeit schafft“

Am wenigsten sagen jene zum Thema, die die letzten vier Jahre die Kanzlerin gestellt haben. So singen CDU und CSU unverdrossen den Evergreen „Sozial ist, was Arbeit schafft“, der auch in seiner zweihundertdreiundfünfzigsten Wiederholung nicht richtiger wird. So wäre es zum Beispiel sozial, die Löhne in Werkstätten für Behinderte anzuheben oder die Praxisgebühr für gesetzlich Krankenversicherte wieder abzuschaffen. Arbeit schaffen würde das zunächst nicht, es wäre aber sozial gerecht. Für soziale Gerechtigkeit ist jedoch im „Regierungsprogramm“ kein Platz. Stattdessen propagiert die Union „Chancengerechtigkeit“, „Generationengerechtigkeit“ und „Leistungsgerechtigkeit“.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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